Bronzezeit und Eisenzeit / Die Kelten (2.200 - 57 v. Chr.)

Gegen Ende der Jungsteinzeit (Neolithikum) läutet eine großartige Entdeckung ein neues Zeitalter ein: die Metallverarbeitung. Die ersten Metallgegenstände, die in unserer Gegend gefunden wurden, datieren um 2000 v. Chr. und sind aus Kupfer oder Bronze (Mischung aus Kupfer und Zinn). Bronze bleibt jedoch ein seltenes Metall, es dient vor allem zur Herstellung von Waffen, Schmuckstücken, Fibeln und Nadeln. Bronze ist ebenfalls ein begehrtes Tauschobjekt. Dieser Handel beeinflusst die Kultur der jeweiligen Völker.

Ab dem achten Jahrhundert vor Chr. bearbeiten die Völker des westlichen Europas das Eisen. Die Technik hierzu wird von einfallenden Kriegstruppen aus östlichen Gebieten überliefert. Die sogenannte Eisenzeit ist in zwei Perioden eingeteilt: Das erste Eisenzeitalter oder Hallstatt-Epoche, sowie das zweite Eisenzeitalter oder 'La-Tène'-Epoche.

Das Eisenzeitalter ist die Zeit der Kelten. Den Namen Kelten, genauer eigentlich 'keltoi', gaben ihnen die Griechen und bedeutet soviel wie die "Tapferen" oder die "Erhabenen". Vielfach ist die Keltenzeit als eine düstere Epoche angesehen, mit wilden und blutrünstigen Kriegern, die sich untereinander bekämpfen und es gibt mannigfaltige Vorstellungen über das Leben der Kelten. So lesen wir im 1897 erschienenen Buch 'Fels und seine Umgebung' von Victor Dasburg, Arzt in der Nachbargemeinde Fels, folgendes: 'Fragen wir uns, wer die ersten Bewohner unserer Gegenden gewesen, so müssen wir uns theils mit den Angaben behelfen, welche durch Cäsars Schilderungen über den gallischen Krieg zu uns gekommen, theils aus manchen Überbleibseln menschlicher Niederlassungen Belehrung schöpfen. Das Luxemburger Land gehörte zu dem grossen Ardennerwalde und war gemäss Cäsars Beschreibung von den sogenannten Kelten bewohnt. Die Wohnstätten dieser Ureinwohner waren sehr einfache: Um sich vor den damals noch in grosser Zahl hier hausenden wilden Thieren zu schützen, um sich gegenseitig vom Feinde abzugrenzen, gruben dieselben runde oder ovale Vertiefungen in den Erdboden und zwar gewöhnlich auf mergelischem, undurchlässigem Untergrunde. Die Grund- und Regenwasser bildeten alsbald eine Lache; inmitten derselben wurde nun ein Pfahlbau errichtet, bestehend aus eingerammten Pfählen mit sich anschliessendem mit Lehm überzogenem Flechtwerk und Strohbedachung. Durch die allseitige Abgrenzung durch Wasser waren die Bewohner vor Überraschungen gesichert. Diese Vertiefungen, Mardelle genannt, finden sich, wenn auch mehr oder weniger ausgefüllt und mit wasserliebenden Pflanzen bestanden noch in ziemlicher Anzahl in der Umgebung von Fels, namentlich zu Schrondweiler, Gemeinde Nommern' und Angelsberg'.

Diese Vorstellungen vom Leben unserer Vorfahren vor drei- bis viertausend Jahren sind mittlerweile widerlegt. Auch wenn einzelne Substrukturen eisenzeitlicher Wohnstätten in der Nähe von Mardellen gefunden wurden, so sind diese doch wohl hauptsächlich als Viehtränken anzusehen. Doch wie lebten die Kelten wirklich? Informationen darüber sind nicht aus erster Hand zu beziehen. Obwohl die Kelten des Schreibens mächtig waren, sind von ihnen keine Schriften überliefert. Ihre Sprache war mit dem Deutschen ebenso verwandt wie mit dem Lateinischen, Griechischen und Indischen. Dies erklärt ihre heutige Bezeichnung als Indo-Europäer. Ihre Sprache überlebt heute noch in  keltischen Dialekten wie dem Bretonischen in Westfrankreich, dem Walisischen, dem Irischen oder dem Schottischen auf den Britischen Inseln. Informationen über das Leben der Kelten sind in Berichten von griechischen oder römischen Schriftstellern überliefert. Vor allem sind wir jedoch auf die Bodenfunde der Archäologen angewiesen. So wissen wir heute, dass die Kelten schon regen Handel mit den Völkern des Mittelmeerraumes betrieben, vor allem mit den Etruskern. Diese belieferten die Kelten mit Wein, Geschirr und Wertgegenständen. Ab ungefähr 150 v. Chr. gibt es die ersten keltischen Münzen. Die Kelten erbauten Festungen, die hauptsächlich der Verteidigung dienten. Meist befanden sich diese Fliehburgen auf hochgelegenen U-förmigen Bergrücken, die sich zur freien Seite mit einem Erdwall schließen liessen.

In den Nommerlayen (nahe Nommern) gibt es zwei solcher Fliehburgen, die 'Aalbuerg' und der nur ungefähr einen Kilometer entfernte 'Schanzgruef'. Die Aalbuerg zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit einem relativ seltenen dreifachen Wall geschützt ist. Das Errichtungsdatum der Anlagen ist nur sehr unpräzise zu ermitteln, wurden doch solche Strukturen während mehreren Jahrhunderten verwendet und ausgebaut. Der Fund einer Münze mit dem Bildnis von Kaiser Nero deutet auf eine Benutzung der Fliehburg bis in die Römerzeit hinein.

Die keltische Gesellschaft ist in Stämme unterteilt, mit Fürsten auf der Oberstufe, gefolgt von Druiden, die sowohl Priester als auch Arzt und Anwalt sind. Die Druiden besaßen ein großes Wissen, das jedoch nur mündlich überliefert wurde. Die Ausbildung junger Druiden dauerte bis zu zwanzig Jahre. Als Mittelklasse fungierten die Bauern und Handwerker, Sklaven wurden meistens aus unterlegenen Gebieten entführt.

Ab ungefähr 150 v. Chr. stellt sich eine neue Gesellschaft ein: die Treverer. Der Ackerbau erlebt einen Aufschwung und das Handwerk stellt Werkzeuge von hervorragender technischer Qualität her. Von dieser Entwicklung profitieren die ersten Siedlungen mit fast städtischem Charakter, die sogenannten Oppida. Das Oppidum vom Titelberg im Süden unseres Landes ist ein großartiges Beispiel einer solchen Stadt. Um das Oppidum herum liegen die Güter der Vertreter der Aristokratie. Begräbnisstätte der Kelten um Lamadeleine geben Aufschluss über die Bestattungsrituale jener Zeit. Mit der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar übernimmt eine römische Garnison die Herrschaft im Oppidum, und die Gründung von Trier läutet das Ende der Vorherrschaft der Kelten in unserem Lande ein.

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